73. Kulturtisch mit dem Buchhändler Alfred Böttger

Artikel von Dr. Wolfgang Schneider -Barthold über den 73. Kulturttisch mit dem Buchhändler Alfred Böttger aus Bonn am 27.11.2017

Böttger füllt mühelos den Laden

Das Interesse am Leben des Buchhändlers Alfred Böttger war offensichtlich riesengroß. Zwischen den bis an die Altbauzimmerdecke prall gefüllten Bücherregalen seiner Buchhandlung in der Thomas-Mann-Str. 41 im Zentrum Bonns saßen und standen am Montagabend dicht gedrängt die Gäste. Sie waren der Einladung des Bonner Kunstvereins 'ArtDialog e.V.' zum '73. Kulturtisch' mit dem Thema „Über mein Leben als Buchhändler“ gefolgt.

       

Böttger ergänzte das Thema mit dem Untertitel „Ein Leben zwischen Ehre und Entbehrung“. Höchste offizielle Ehrung erhielt er 2016 durch die Verleihung des Deutscher Buchhandlungspreises in der Kategorie „Beste Buchhandlungen“. Geehrt fühlt er sich aber auch und viel häufiger dann, wenn Kunden seinen Hinweisen auf unbeachtete Werke der Literatur folgen oder gar von seinen Empfehlungen wieder zum Lesen geführt werden. Es freut ihn, wenn Verlage ihm mitteilen, dass er mehr Exemplare eines anspruchsvollen Werkes verkauft hat als andere deutsche Buchhändler.

Entbehren muss er finanzielle Sicherheit, Freizeit und den einst großen Freundeskreis. Da ein Geschäft seines Zuschnitts keinen Mengenumsatz hat, kann es sich kein fest angestelltes Personal leisten, und so bleibt viel Arbeit bei ihm. Mehr Arbeit, als für einen Buchhändler nötig. Er sucht unter den hunderttausend neuen Werken der Literatur pro Jahr das Besondere und  macht die Kundschaft neugierig darauf. Er pflegt Kontakte zu Autoren und Übersetzern und gewinnt diese für Lesungen in seiner Buchhandlung. Er bittet bildende Künstler, Gedichte seiner Lieblingslyriker zu illustrieren. Die so entstehenden Einzelblätter lässt er in kleiner Auflage drucken. Einige Maler stellt er in der Galerie aus, die der Buchhandlung angeschlossen ist. Schließlich stellt er ein Sortiment von Klassik-CDs zusammen und verkauft es neben Büchern.

'Sammlerwut' bestimmt Böttgers Lebens. Mit Briefmarken, ausgeschnittenen Zeitungsbildern und Reclamheften begann er als Jugendlicher. Mit antiquarischen Büchersammlungen, neuen Büchern, Gemälden und CDs setzte er fort. Vor und neben der Buchhändlerausbildung hat er Musikinstrumente spielen gelernt und gespielt. In der Düsseldorfer Kunstakademie ging er ein und aus und lernte dort Künstler kennen, zu denen er teilweise noch heute Kontakt hat.

Böttger will nicht Bestseller verkaufen, sondern Bücher, die er entdeckt, schätzt und für unterbewertet hält. Er hat auch Werke umstrittener Autoren auf Lager, wenn sie wichtig zum Verständnis von kulturellen Entwicklungen sind. Seit seiner Jugend beschäftigt Böttger sich mit brennendem Interesse für Literatur und Kunst. Das hat nicht nur sein Wissen enorm erweitert, sonder auch seine Sprache geprägt. Er ist ein mitreißender Redner mit lebhafter Sprechweise. Er formuliert schnell und präzis und lässt es nicht an Witz und Selbstironie fehlen.